Nadja Waldis
engagiert sich bei "UznerFamilien" für die Adventsfenster.
Der Neubau verbindet Architektur, Landschaftspflege und gelebte Alpwirtschaft.
Der Neubau verbindet traditionelle Stricktechnik mit moderner Architektursprache. Er fügt sich sensibel ins Gelände ein und zeigt, wie traditionelle Bauweise und zeitgemässe Architektur mit regionaler Wertschöpfung verbunden werden können.
Seit den 1960er-Jahren ist die Alphütte Rittmarren auf 1060 Metern über Meer zwischen Ricken und Regelstein ein beliebtes Ausflugsziel. Doch der alte Bau war in die Jahre gekommen und wurde in den 90er-Jahren unvorteilhaft mit einem Annex erweitert. Der Neubau bot nun die Chance, die Erscheinung der Gesamtanlage landschaftsschonender zu gestalten und die Räumlichkeiten betrieblich zu optimieren. Dies geschah im Wesentlichen mit einem neuen Standort. «Ziegler+Partner Architekten» stellten den Ersatzbau nicht mehr auf einen künstlichen Sockel prominent an der Strasse, sondern betteten ihn ins Gelände ein, am Fussweg westlich des Stalls. Wer ankommt, wird mit Blicken ins Tal belohnt – entweder auf den Zürichsee oder ins Nebelmeer, je nach Wetterlage.
Die Ortsgemeinde Gommiswald als Bauherrin entschied sich bewusst für ein Projekt mit durchgängiger regionaler Wertschöpfung. 120 Fichten, sechs Eschen und sechs Douglasien aus dem eigenen Wald wurden in Wattwil gesägt, getrocknet,gehobelt und als Strickbau verbaut – insgesamt 120 Kubikmeter Holz. Der Bau beherbergt im Erdgeschoss unter dem flach auslaufenden Steildach eine Gaststube mit angrenzender Aussenterrasse sowie eine zweckmässige Küche und Nebenräume. Das Obergeschoss wird über einen separaten Zugang erschlossen und umfasst die Wohnung der Älpler. Dachneigung und Proportion des Gebäudevolumens orientieren sich an den landwirtschaftlich geprägten Bauten im umliegenden, voralpinen Gelände. Über ein austariertes Öffnungsverhalten und fein ziselierte Ornamente in der Holzfassade zeigt sich das Haus freundlich und offen. Dimension und Proportion der Öffnungen orientieren sich an lokalen Traditionen.
Das Gebäude ist grundsätzlich unbeheizt, erfüllt aber mit gedämmter Hülle und einem Ofen aus Bollinger Sandstein auch in der kalten Jahreszeit den Anspruch an Behaglichkeit. Elektrische Energie und Frischwasser sind vorhanden, Abwasser wird in einer abflusslosen Güllengrube gesammelt und regelmässig geleert. Der traditionelle, kompakte Strickbau präsentiert sich in zeitgemässer Architektur und schafft damit einen Rahmen, der Offenheit und Geborgenheit zugleich vermittelt. In dieser Umgebung entfaltet sich auch das gesellschaftliche Leben. Gelegentliche musikalische Stubeten bringen eine urchige, lüpfige Stimmung in die Gaststube. Mit dem Neubau gelingt es, Architektur, Landschaftspflege und gelebte Alpwirtschaft in Einklang zu bringen – ein Beispiel dafür, wie nachhaltiger Holzbau in den Alpen Tradition und Zukunft verbindet.
⋌pd
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