Nadja Waldis
engagiert sich bei "UznerFamilien" für die Adventsfenster.
Lui Eigenmann und Stephanie Rickenbacher haben unzählige Stunden Arbeit in den Campingplatz Gäsi gesteckt.
Lui Eigenmann und seine Partnerin Stephanie Rickenbacher geben den Campingplatz Gäsi am Walensee nach nur einer Saison wieder ab. Das Paar erzählt, weshalb der Traum vom eigenen Campingplatz in weite Ferne gerückt ist.
Direkt am Ufer des Walensees, eingebettet in den Wald und mit Aussicht auf die Berge: Der Camping Gäsi in Weesen scheint auf den ersten Blick eine Idylle. Doch der Schein trügt – zumindest wenn man Lui Eigenmann und seine Partnerin Stephanie Rickenbacher fragt. Im April haben die beiden den Platz und das dazugehörige Restaurant am Walensee übernommen. In den Jahren zuvor waren die Reiseblogger mit ihrem selbst ausgebauten Campervan in ganz Europa unterwegs. Auf ihren Social-Media-Kanälen «Comewithus2» nahm das Paar seine Follower mit auf über 500 Campingplätze in 45 Ländern. «Ein eigener Campingplatz war immer unser Ziel», so Stephanie Rickenbacher. «Für uns war klar: Wenn wir selber nicht mehr reisen, wollen wir die Reisenden zu uns holen.»
Am 1. April startete das Paar mit dem «Gäsi» in seine erste Saison. Die anfängliche Euphorie wurde bereits vor der Eröffnung gedämpft: Der Koch des Restaurants sprang trotz mündlicher Zusage kurzfristig ab. «Er hatte ein Angebot, das für ihn besser passte», erklärt Stephanie Rickenbacher. «Der Grund war für uns nachvollziehbar. Trotzdem standen wir schon zu Beginn ohne vollständiges Küchenteam da.» Dazu sei gekommen, dass die beiden keine saubere Übergabe und Einführung erhalten hätten, fügt Lui Eigenmann an. Nach und nach habe sich herausgestellt: «Der Platz und die Beiz waren in keinem Zustand, in dem man die Anlagen jemandem übergibt. Viel Vorbereitungszeit ging für die Bearbeitung von Altlasten drauf.» Der April ohne einen Regentag habe bei Saisonbeginn einen Ansturm ausgelöst. «Wir steckten noch mitten in der Vorbereitung und wurden deshalb völlig überrannt», so Rickenbacher.
Das Wetter im Juli und August sorgte für das gegensätzliche Extrem: Aufgrund der starken Regenfälle stand der Campingplatz innert kurzer Zeit unter Wasser. «Dreiviertel der Plätze konnten wegen des vielen Wassers nicht mehr genutzt werden», sagt Stephanie Rickenbacher. Da das Areal zu einem Naturschutzgebiet gehört, ist die Befestigung von Wegen und Plätzen mit Kies oder die Verlegung von Drainagen im «Gäsi» nicht erlaubt. Der Keller des Restaurants war mehrere Male geflutet. Als es nach dem Regen wieder warm wurde, folgte eine Mückenplage. «Wir reden nicht einfach von vielen Mücken, es waren Abertrausende. Wir wurden regelrecht zerstochen», betont Eigenmann. Die Umstände hätten zu entsprechend negativen Rückmeldungen der Gäste geführt. «Viele sind direkt nach ihrer Ankunft wieder abgereist.»
Doch trotz des Wetterpechs: Die Saison ist finanziell gut gelaufen, wie Lui Eigenmann verrät. Dies sei aber nicht zuletzt der Community von «Comewithus2» zu verdanken – nicht selten seien unter den Gästen Leute gewesen, die den Reiseblog des Paares verfolgen. «Unsere Reichweite in der Camperwelt hat uns sehr geholfen», ist sich Stephanie Rickenbacher sicher. «Es war ein Rekordsommer», gibt ihr Partner zu. Zahlen möchte er keine nennen. «Das Finanzielle ist auch nicht das, was uns antreibt.» Neben den wetterbedingten Schwierigkeiten sei auch die Zusammenarbeit mit der Verwaltung nicht immer reibungslos verlaufen: Wo das Paar im Restaurant als Pächter freie Hand hatte, gab es bei der Verwaltung des Campingplatzes viele Einschränkungen – für eigene Ideen oder Arbeitserleichterungen sei wenig Platz geblieben.
Dass das Projekt «Gäsi» keine Zukunft hat, merkten beide bereits vor einigen Monaten. Deshalb blieb Lui Eigenmann weiterhin Teilzeit als Redaktionsleiter bei den «Wiler Nachrichten» tätig, wo er seinen journalistischen Tätigkeiten ab Januar wieder Vollzeit nachgehen wird. Der Campingplatz und das Beizli sind aktuell geschlossen, die nächste Saison startet voraussichtlich im April. Für Rickenbacher und Eigenmann endet mit der Winterpause eine intensive Zeit. «Wir haben sehr viel gelernt in diesem Jahr und durften auf ein tolles Team zählen, welches uns tatkräftig unterstützt hat», so Stephanie Rickenbacher. Ein Campingplatz macht Spass – aber es muss der eigene sein. «Unser Traum ist nicht geplatzt, er ist nur in weite Ferne gerückt.» Wie es für die 37-Jährige weitergeht, lässt sie noch offen. «Vielleicht etwas in die Richtung Eventgastronomie oder der Reisebranche. Ich möchte noch keinen klaren Fokus legen.» Zuoberst stehe nach dieser intensiven Zeit erst mal die Erholung, ist sich das Paar einig. Mit dem eigenen Camper geht es für die beiden für vier Wochen nach Griechenland.
Linda Bachmann
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