Raphael Gygax
ist der OK-Präsident des "The Little Big Festival" in Lichtensteig.
Ursula Wüst-Lückl übergibt dem 400. Mitglied Raimond Wälchli seinen Anteilschein für Kiss Linth.
Kiss (Keep It Small and Simple) Linth wächst weiter: Die Genossenschaft für nachbarschaftliche Hilfe hat mit Raimond Wälchli ihr 400. Mitglied gewonnen. Für Koordinatorin Ursula Wüst-Lückl ist dies ein wichtiges Zeichen dafür, dass die Idee gegenseitiger Unterstützung in der Region immer stärker verankert ist.
Region Kiss Linth ist in den Gemeinden Eschenbach, Schmerikon, Uznach, Gommiswald, Benken, Kaltbrunn, Schänis und Weesen aktiv. Dabei helfen sich Freiwillige in der Nachbarschaft gegenseitig. Die Gebenden können ihre Stunden gutschreiben und diese einsetzen, wenn sie später selbst Hilfe benötigen. Das Konzept stösst auf grossen Anklang: Mit Raimond Wälchli hat die Genossenschaft bereits 400 Mitglieder. Der Rentner aus Benken ist Fahrer bei Tixi-Zürichsee-Linth, einem Kollektivmitglied von Kiss, und wurde dort aufmerksam auf die Genossenschaft. Die Sekretärin von Tixi sprach ihn an und fragte, ob das etwas für ihn wäre. «Ich schaute mir die Website an und dachte: ‹Eine Hand wäscht die andere›, und meldete mich an», erzählt Wälchli. Am wichtigsten ist ihm dabei, anderen eine Freude zu machen.
Freude bereitet Wälchlis Mitgliedschaft auch Kiss-Koordinatorin Ursula Wüst-Lückl. Sie freut sich über jedes neue Mitglied. Man komme der Vision, dass sich alle neun Gemeinden miteinander vernetzen, immer näher. «Wir sind machtlos gegenüber dem, was in der Welt alles geschieht», sagt die Koordinatorin, «aber hier in der Region nicht. Hier können wir etwas bewirken und füreinander da sein.» 400 Mitglieder geben ihr Hoffnung, dass es weitergehe. «Ich möchte irgendwann für jede Anfrage jemanden haben, in all unseren neun Gemeinden.» Mehr Mitglieder bedeuten aber auch mehr Arbeit. Insbesondere die Zeitbuchungen würden viel Zeit in Anspruch nehmen. «Glücklicherweise habe ich nun eine Stellvertreterin, die mir die Buchungen abnimmt», erzählt Wüst-Lückl. «So kann ich mich darauf konzentrieren, Anfragen und Fahrdienste zu koordinieren.» Für solche braucht es Personen wie Wälchli. Tixi-Fahrdienste zu übernehmen, ist für ihn die beste Option, um zu helfen. «Ich fahre gerne Auto und bin gerne unterwegs», sagt er. «Wenn ich dadurch anderen Menschen helfen kann, ist das natürlich umso schöner.» Was ihm dabei auffalle und wunderschön sei: die Dankbarkeit der Menschen. Sie würden die Möglichkeit sehr schätzen, irgendwo hinzugehen, und sähen sie nicht als selbstverständlich. «Ausserdem freut es mich, etwas an die Generation zurückzugeben, der ich viel zu verdanken habe», fügt Wälchli hinzu. Er betont, dass es für nachbarschaftliche Hilfe gar nicht viel benötige. In seinem Wohnblock helfe man sich gegenseitig, indem man beispielsweise die Blumen des Nachbarn giesst, wenn dieser in den Ferien ist.
Auch Wüst-Lückl hält genau diese kleinen Dinge für sehr wichtig. «Es reicht schon, wenn wir am morgen schauen, ob beim Nachbarn die Storen oben sind», sagt sie. Gleichzeitig hofft sie natürlich, dass Kiss Linth weiterwächst. Mundpropaganda sei hier ein wichtiger Faktor: «Die Leute sprechen miteinander und erzählen anderen von Kiss.» Auch die Kollektivmitglieder tragen zum Wachstum bei, indem sie ihre Freiwilligen auf das Angebot aufmerksam machen – so wie jetzt Raimond Wälchli. Entscheidend sei zudem die lokale Verankerung. Die Menschen hätten mit ihr eine direkte Ansprechperson vor Ort. «Die Leute können sich an ein bekanntes Gesicht wenden», erklärt Wüst-Lückl. «Das Ganze läuft nicht über die Gemeinde, sie können ‘einfach Ursi anrufen’.» Für die weitere Zukunft von Kiss Linth wünscht sich die Koordinatorin, dass die Alterskosten gesenkt werden können. «Indem wir uns gegenseitig helfen, wollen wir dafür sorgen, dass die Menschen möglichst lange zu Hause bleiben können.»
Im Zentrum von Kiss Linth stehen die sogenannten Tandems: Eine Person erhält Unterstützung, die andere engagiert sich freiwillig. Art und Umfang des Einsatzes werden in der Regel direkt zwischen den Beteiligten vereinbart. Leistungen für Kollektivmitglieder wie Heime, Pfarreien, Gemeinden und andere Institutionen können sowohl individuell als auch für mehrere Personen gleichzeitig erbracht werden. Die Einsätze sind kostenlos. Zu übernehmen sind lediglich allfällige Spesen, etwa für Benzin. Die geleisteten Stunden werden den Freiwilligen gutgeschrieben und können später eingelöst werden, wenn sie selbst Unterstützung benötigen. Dieses System funktioniert, wenn neben der Nehmenden-Seite auch eine Gebende-Seite vorhanden ist. Die Genossenschaft Kiss Linth gibt keine Garantie dafür, dass die Zeitnachweise zu 100 Prozent eingelöst werden können. Weitere Informationen können Interessierte unter www.kiss-linth.ch finden.
⋌shs
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