Raphael Gygax
ist der OK-Präsident des "The Little Big Festival" in Lichtensteig.
Dieses Bild aus dem Gebiet Kreisalpen im Toggenburg zeigt eindrücklich, wie aus totem Holz neues Leben wächst.
Im Toggenburg ist dank dem Waldreservat Kreisalpen bereits heute sichtbar, wie gezielte Massnahmen seltenen Tierarten wie dem Auerhuhn helfen können. Mit der neuen Biodiversitätsstrategie des Kantons St.Gallen sollen genau solche Projekte weiter gestärkt werden.
Region Auf dem Hof von Bruno Giger in Zuckenriet stellte der Kanton St.Gallen seine Biodiversitätsstrategie 2026 bis 2033 vor. Zwischen Blumenwiesen, Waldrand und naturnahen Flächen wurde deutlich, worum es der Regierung geht: Biodiversität soll nicht bloss ein abstrakter Begriff bleiben, sondern sichtbar und erlebbar werden. Regierungspräsident Beat Tinner betonte, dass die Vielfalt von Tieren, Pflanzen und Lebensräumen weit mehr sei als ein schönes Landschaftsbild. «Sie sorgt für sauberes Wasser, fruchtbare Böden und stabile Ökosysteme», sagte Beat Tinner anlässlich der Begehung.
Die neue Biodiversitätsstrategie baut auf den Erfahrungen der vergangenen Jahre auf. Bereits seit 2018 werden Moore saniert, Trockenwiesen aufgewertet, Weiher geschaffen und Waldreservate erweitert. Auch im Siedlungsraum entstanden biodivers gestaltete Flächen. Nun sollen die Anstrengungen weitergeführt und gezielt ausgebaut werden. Im Zentrum stehen 18 konkrete Massnahmen in vier Handlungsfeldern. Lebensräume sollen geschützt und aufgewertet, besser miteinander vernetzt sowie bedrohte Arten gezielt gefördert werden. Gleichzeitig will der Kanton die Bevölkerung stärker einbeziehen und Wissen vermitteln. Für die Umsetzung der Strategie sieht der Kanton jährlich 650'000 Franken vor. Die Massnahmen werden gezielt mit bestehenden Aufgaben und Programmen koordiniert, um eine möglichst grosse Wirkung zu erzielen. Regierungspräsident Beat Tinner betonte dabei die Vorbildfunktion des Kantons: «Auf eigenen Flächen, bei kantonalen Bauten oder entlang von Strassen schaffen wir gezielt artenreiche Lebensräume. Biodiversität entsteht vor Ort und funktioniert nur gemeinsam.»
Wie solche Aufwertungen konkret aussehen können, zeigt das Waldreservat Kreisalpen im Gebiet Nesslau und Schwägalp. Dort vereint ein grosses Reservat sowohl Naturwald als auch Sonderwaldflächen. Während in den Naturwaldreservaten bewusst auf Holznutzung und Eingriffe verzichtet wird, werden im Sonderwaldreservat gezielt Lebensräume für bedrohte Tierarten aufgewertet. Das Gebiet zählt zu den wichtigsten Lebensräumen des Auerhuhns im Kanton St.Gallen. Insgesamt umfasst das Reservat rund 470 Hektaren Waldfläche. Davon werden 60 Hektaren während 50 Jahren nicht mehr bewirtschaftet. Auf weiteren 410 Hektaren erfolgen gezielte Eingriffe zugunsten des Auerhuhns sowie zum Schutz der zahlreichen Hoch- und Flachmoore. «Das Auerhuhn gehört schweizweit zu den stark bedrohten Tierarten. Umso wichtiger sind solche gezielten Massnahmen im Wald», erklärt Urs Gimmi, Leiter Abteilung Natur und Landschaft.
Bezüglich der Biodiversitätsstrategie sprach Urs Gimmi von einer langfristigen, generationenverbindenden Aufgabe. Die neue Strategie setze bewusst auf konkrete und sichtbare Massnahmen. «Biodiversität gelingt nur gemeinsam mit Gemeinden, Land- und Forstwirtschaft, Grundeigentümerinnen und Grundeigentümern», sagte er bei der Vorstellung der Ziele. Der Fokus liege deshalb auf der Zusammenarbeit, Beratung und Unterstützung der verschiedenen Akteure. Der Kanton wolle in erster Linie Möglichkeiten aufzeigen und Anreize schaffen. Letztlich diene die Biodiversität nicht nur dem Schutz einzelner Tiere und Pflanzenarten, sondern sei ein wichtiger Bestandteil der Lebensqualität. Bis 2050 soll der Kanton St.Gallen laut der Vision der Regierung von vielfältigen und gut vernetzten Lebensräumen geprägt sein. Projekte wie jenes im Toggenburg zeigen bereits heute eindrücklich, wie dies konkret aussehen kann. ⋌pd
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