Jonas Büchel
möchte mit Wird Führungspersonen zu Coaches machen.
Vor gut einem Jahr, am 22. April, sind wir losgefahren. Krummenau, eine Vespa, Spanien als Ziel. 1800 Kilometer, neun Tage, ein Abenteuer, bei dem viele den Kopf geschüttelt haben. Und wir mittendrin, mit diesem Satz im Gepäck: Ach komm, das wird schon.
Wenn du mich kennst mit meiner Kolumne «Rock’n’Roll» für die Seele, aus dem Abenteuer Toskana, das danach kam, oder ganz persönlich, dann weisst du, dass ich solche Dinge nie einfach nur mache. Ich erlebe sie und irgendwann setze ich mich hin und schaue dahinter. Diese Vespa Tour war nicht einfach eine Reise, sie war die Fahrt meines Lebens. Ich sehe uns noch vor mir. Viel zu viel Gepäck. Und ich meine nicht nur die Taschen. Wie oft ist das im Leben so? Wir tragen viel zu viel mit uns herum. Wir haben damals angefangen, Sachen zurückzuschicken, damit es leichter wird. Im echten Leben machen wir das selten. Da halten wir fest. Und dann dieser Popo Alarm. Radlerhose hin oder her, irgendwann ist einfach Schluss mit bequem. Und trotzdem bleibst du sitzen. Du hältst aus, Kilometer für Kilometer. Und während ich hinten drauf sass, war vorne natürlich der Kilometerguru unterwegs. Oder sagen wir der Navigationsguru oder je nach Tagesform auch mal der Meilenguru. Hauptsache weiter, Hauptsache Strecke, Hauptsache Ziel. Und ich dachte mir irgendwann, interessant, da fährt nicht nur eine Vespa, da fährt auch ein ganz schöner Egotrip mit. Wenn ich das heute auf das Leben übertrage, wird es spannend. Wie oft bist du Sozi in deinem eigenen Leben? Wie oft sitzt du hinten drauf, während vorne jemand anderes den Ton angibt? Und wie oft merkst du erst viel später, dass du eigentlich selbst hättest fahren wollen? Diese neun Tage hatten alles: Leichtigkeit, Lachen, Freiheit und gleichzeitig Regen bis auf die Knochen, Kälte, Erschöpfung und eine ganze Reihe von Pannen. Und dann kam dieser Moment kurz vor dem Ziel. Die Vespa stand, nichts ging mehr. Alles wurde zerlegt und dann lag es da, das Schaltkreuz, gebrochen. Und wenn du das einmal gesehen hast, weisst du, das kannst du nicht reparieren, das musst du ersetzen. Und genau da liegt für mich heute die eigentliche Erkenntnis. Im Leben versuchen wir immer zu reparieren, wir kleben, wir flicken, wir hoffen, dass es wieder so wird wie früher. Aber ein Schaltkreuz ersetzt du. Und nur weil du etwas ersetzt, heisst das nicht, dass es wieder so wird wie vorher. Und vielleicht ist genau das der Moment, in dem du erkennst, es geht nicht darum, etwas wiederherzustellen, es geht darum zu verstehen, dass etwas zu Ende ist. Ich kann hier nur aus meiner Sicht sprechen. Ich hätte diesem Mann damals mein Leben anvertraut und gleichzeitig war da rückblickend auch dieser Egotrip. Er wollte Begleitung, ich wollte Verbindung. Von aussen hat alles gepasst. Ihr gehört zusammen, haben viele gesagt, zwei verrückte Hühner. Heute sehe ich das anders. Beide wollten das Steuer übernehmen, der eine links, der andere rechts. Und irgendwann merkst du, du bist noch unterwegs, aber nicht mehr gemeinsam. Kurz vor dem Ziel ist nicht nur die Vespa stehengeblieben. Seit einem halben Jahr geht jeder seinen eigenen Weg, kein Kontakt, kein Zurück und das ist in Ordnung. Es darf so sein, es war eine Episode, eine Serie, die ihren Abschluss gefunden hat. Was bleibt, ist etwas viel Grösseres. Dein Aussen spiegelt dein Innen. Dein Zuhause, dein Auto, dein Motorrad und in diesem Fall diese Vespa. Alles zeigt dir, wie du unterwegs bist, die Pannen, die Reparaturen, der Moment, in dem nichts mehr geht. Das Leben gibt dir Zeichen, immer wieder, und wir halten fest, wir reparieren, wir hoffen. Diese Reise hat mir gezeigt, es geht nicht darum alles auszuhalten, es geht darum, ehrlich hinzuschauen. Und vielleicht wartet irgendwo da draussen noch jemand, der nicht nur fahren will, sondern wirklich mit mir unterwegs ist.
⋌Barbara Soreia Wojak
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