Urs Müller
aus Krummenau legt bei seinen Massagen grossen Wert auf Individualität.
Melanie Bär aus Kaltbrunn lebt für den Zughundesport. Gemeinsam mit ihrem Mann, den zwei Kindern und fünf Hunden reist die erfolgreiche Familie zu Meisterschaftenund teilt einen durchgetakteten, intensiven Alltag.
Kaltbrunn Es ist kurz nach vier Uhr morgens in Kaltbrunn. Während das Dorf noch schläft, herrscht im Hause Bär bereits Betriebsamkeit. Melanie Bär bricht mit den Hunden zum ersten Training des Tages auf. Wenn sie später zur Arbeit fährt, übernimmt ihr Mann Rolf das Ruder. Alltag und Sport verschmelzen in dieser Familie zu einer Einheit, die Disziplin erfordert. Ursprünglich wollte Melanie Bär damals eigentlich nur einen Border Terrier kaufen, um gemütlich zu wandern. Dass ihr Mann anfangs gar kein Tier wollte und die Familie heute mit fünf Hunden und einigen Reptilien zusammenlebt, sorgt bei der Kaltbrunnerin noch immer für ein Schmunzeln: «Manchmal kann ich es selbst kaum glauben.» Eine Freundin brachte sie schliesslich zum Zughundesport. Die erste Fahrt auf dem Velo mit der Hündin von Bekannten hinterliess Eindruck. «Es war unglaublich crazy, welche Kraft und Geschwindigkeit diese Hunde haben», erinnert sich Bär. Damals überwog die Angst. Als feststand, dass der Border Terrier für Disziplinen wie das Bike- und Scooterjöring zu klein war, zog mit Sam der erste Greyster ein – ein Hund, der eigentlich für ihren Mann gedacht war, den das Fieber gepackt hatte. Melanie Bär zögerte zunächst, hatte Bedenken wegen der Führung im Alltag. Doch die Leidenschaft siegte. Auf Sam folgte Flax aus Norwegen, später kam Nachwuchs Yari hinzu.
Beim Bike- und Scooterjöring erreichen die Gespanne Geschwindigkeiten zwischen 28 und 42 Kilometern pro Stunde. Auf dem Trail fordert das Velofahren Melanie Bär am meisten heraus, zumal sie vor sechs Jahren noch nicht einmal biken konnte. Durch das Training in der Familie und den Einfluss der Kinder, die im Bikeclub aktiv sind, eignete sie sich das nötige Können an. Das Tempo verlangt mental viel ab. «Es braucht richtig viel Mut und hundertprozentiges Vertrauen in den Hund», erklärt die Sportlerin. Neben dem Fokus auf dem Velo betreibt die Familie auch Canicross, das gemeinsame Laufen mit dem Hund. Für Bär liegt die Faszination nicht in der reinen Geschwindigkeit, sondern im Teamerlebnis: «Das Schönste ist für mich der gemeinsame Kampf mit meinem Hund.» Dieser Einsatz trägt Früchte. Am Küchentisch wird viel über Sport gesprochen und die Eltern vermitteln den Kindern Alessia und Nino eine gesunde, sportliche Ernährung. Der Ehrgeiz im Hause Bär ist messbar: Der Ehemann ist Weltmeister, die zehnjährige Tochter Alessia hält ebenfalls einen Weltmeistertitel und Melanie Bär ist mehrfache Schweizermeisterin. Sohn Nino läuft derzeit Canicross und wartet darauf, mit 14 Jahren auf den Scooter umsteigen zu dürfen. Dass die Kinder so aufwachsen, abseits von Fernseher und Computer, empfindet die Mutter als Privileg.
Die Reisen zu den Meisterschaften mit dem Wohnwagen erfordern logistisches Geschick. Neben Scootern, Bikes und Hundefutter muss die Familie enorme Mengen an Kleidung mitführen. «Die Wettkämpfe enden oft in einer Schlammparty», sagt Bär. Der Erfolg bringt zudem finanzielle und zeitliche Belastungen mit sich. Da der Sport kaum öffentlich gefördert wird, finanziert die Familie fast alles selbst. Ein Sponsoringpartner und ein Metzger aus der Region, der Fett für die Hunde bereitstellt, sichern den Betrieb ab. «Ohne Sponsoring kann man sich das kaum leisten», hält Bär fest. Zudem bedeuten fünf Hunde lange Tage und viel Putzarbeit im Haus. Rückschläge bleiben nicht aus. Eine schwere Sehnenverletzung ihres ersten Greysters, bei der ungewiss war, ob er je wieder Sport treiben könnte, schweisste die Familie eng zusammen. Heute steht die Gesundheit an erster Stelle. Jetzt, wo die Europameisterschaft im schwedischen Mekka des Hundesports ansteht, ist die Familie auch für drei Wochen dort im Urlaub. «Das gemeinsame Erlebnis zählt mehr als Medaillen», sagt Bär und ergänzt: «Wenn die Hunde nach dem Rennen zufrieden, glücklich und verletzungsfrei vor dem Wohnwagen schlafen, ist der Tag perfekt.»
Vom 14. bis 18. Oktober treffen sich in Gävle, Schweden, die besten Zughundesportlerinnen und Zughundesportler Europas. An den European Championships und European Masters werden verschiedene Dryland-Disziplinen wie Canicross, Bikejöring, Scooter und Wagen ausgetragen.
Benjamin Schmid
Lade Fotos..