Miss Helvetia
tritt am 16. Oktober mit ihrem neuen Album im Dömli in Ebnat-Kappel auf.
Am 15. September startete die National League in die neue Saison. Ralph Krueger, der frühere Schweizer Nationaltrainer, erwartet erneut ein enges Rennen. Besonders faszinieren ihn Klubs wie die Rapperswil-Jona Lakers, die mit wesentlich kleineren Mitteln als die Grossen auskommen müssen.
Ralph Krueger, Rapperswil-Jona ist für Sie ein romantischer Klub. Was braucht es heute, damit ein solcher Verein gegen die grossen Hockeymaschinen bestehen kann?
Du musst in jedem Bereich wirklich an deine Grenzen gehen. Und du musst wie eine Familie funktionieren und ein starkes Team auf und neben dem Eis bauen. Ich glaube, genau das haben diese Klubs in den vergangenen Jahren immer wieder gezeigt. Es tut der Liga gut, dass sie beweisen, dass man mit solchen Voraussetzungen immer wieder mitmischen und in die Playoffs kommen kann.
So gesehen sind die Lakers ein gutes Beispiel für die Gesamtentwicklung im Schweizer Eishockey.
Absolut. Früher wäre die Zielsetzung für die Schweizer Nationalmannschaft ähnlich gewesen. Unser Ziel war es zunächst, die Top 8 zu erreichen und dort zu bleiben. Wenn wir das geschafft haben, fühlte es sich fast wie ein Titel an. Für Rapperswil-Jona kann das Erreichen der Playoffs ebenfalls wie ein Titelgewinn sein. Und manchmal können solche Mannschaften dann dort noch zulegen. Klubs wie Rapperswil-Jona machen einen wichtigen Teil der DNA des Schweizer Eishockeys aus.
Ein grosses Thema ist der Nachwuchs…
... weil dort die Entwicklung beginnt. Ich habe es immer gesagt und sage es wieder: Niemand im Schweizer Eishockey darf den Blick auf den Nachwuchs verlieren. In den 1990er Jahren konnte die Schweiz dort sehr viel verbessern. Wir haben begonnen, viel mehr gegen die grossen Nationen im Juniorenbereich zu spielen. Dadurch hatten die Spieler eine andere Einstellung. Wenn du als Junior immer wieder gegen die Besten spielst, hast du später nicht mehr diese riesige Ehrfurcht vor ihnen.
Was hat sich seither am stärksten verändert?
Als ich Ende der 1990er-Jahre kam, waren wir im Aufbruch. Wir wollten eine kompetitive, grössere Nation werden, waren aber noch nicht dort. Es dauerte bis zur WM 2003 in Finnland, bis wir den Durchbruch nachhaltig geschafft hatten und sagen konnten: Wir gehören solide zu den Top 8. Heute ist die Erwartungshaltung eine ganz andere. Die Schweiz gehört nicht nur zur oberen Hälfte. Sie kann bei jedem Turnier Weltmeister werden.
Ein Problem des Schweizer Eishockeys sehen viele bei der Swiss League.
Der Druck von unten ist in jeder Liga wichtig. Ich durfte dies im englischen Fussball erleben. Die starke Championship ist ein Grund, weshalb die Premier League so erfolgreich ist. Ich bin ein riesiger Fan von Auf- und Abstieg. Das gehört für mich zur romantischen Seite des europäischen Sports. Aber natürlich muss die zweite Liga stark sein. Wenn dort das Fundament fehlt, kann man nicht einfach die Durchlässigkeit erhöhen.
Sie haben die WM 2026 in Zürich und Fribourg nochmals aus einer besonderen Perspektive erlebt.
Als ich vor einigen Wochen aus Kanada in die Schweiz zurückgereist bin, war ich an einem Abend in Zürich – und plötzlich kamen all diese Erinnerungen an die WM im Mai wieder hoch, auch wie nahe ich bei den Fans war. Ich bin vorher noch nie mit dem Tram gefahren. Während der WM bin ich vielleicht 50 Mal damit zum Spiel gefahren – und hatte dort wunderbare Erlebnisse und Begegnungen. Was wir 17 Tage lang erleben durften, war absolute Weltklasse. Nicht nur, weil wir wieder im Final waren und Silber gewonnen haben. Das Eishockeyfest war schier unglaublich. Und dieser Eindruck zieht sich durch alle Regionen der Schweiz. Das war nicht nur für Zürich und Fribourg ein Gewinn. Es war ein Gewinn für die gesamte Schweizer Eishockeyszene.
Während dieser WM haben Sie auch Ihre Parkinson-Erkrankung öffentlich gemacht. Wie haben Sie die Reaktionen erlebt?
Sehr warm. Mehrmals am Tag kam jemand auf mich zu. Leute erzählten mir, dass ihr Vater oder Grossvater Parkinson hatte oder sie selbst betroffen waren. Ich fand das überhaupt nicht unangenehm. Ich bin nicht Parkinson. Es ist ein Teil von mir. Wie wenn jemand einen Knochen gebrochen hat – dann spricht man darüber. Und wichtig ist: Ich habe keine lebensbegrenzende Diagnose. Also sag ich mir: Mach weiter und mach das Beste aus deinem Leben.
Hat Ihnen Ihre Sportmentalität dabei geholfen?
Hundertprozentig. Ich rede seit Ewigkeiten über den Mindset, den wir in schwierigen Situationen brauchen. Und dann stehst du vor einer Aufgabe, die natürlich ganz anders ist als eine Niederlage im Sport. Deine Worte tragen plötzlich mehr Bedeutung und Gewicht. Du hast eine Verantwortung, auch anderen ein Vorbild zu sein. Was ich sagen kann: Ich bin nie in ein Loch gefallen. Ich habe immer gesagt: Was kann ich aus diesem Tag machen? Was sind meine Möglichkeiten? Und ich darf festhalten: Bis jetzt geht es gut.
Themawechsel. Wann wird die Schweiz endlich Weltmeister? Fünf Silbermedaillen sind doch genug.
«Genug» ist das falsche Wort. Man sollte eine Silbermedaille immer nehmen. Fünfmal Silber ist eine Bestätigung dafür, welch grossartige Entwicklung das Schweizer Eishockey in den vergangenen 25 Jahren durchlaufen hat – und dass der Titel immer möglich ist.
Weshalb nicht gleich 2027 in Deutschland?
Natürlich hängt viel davon ab, wie viele NHL-Spieler kommen. Wenn wir wieder eine grosse Zahl Nordamerika-Profis im Team haben, können wir bis zum Ende dabei sein. Fünf Silbermedaillen sagen vor allem eines: Niemand wäre mehr überrascht, wenn die Schweiz beim nächsten Turnier Weltmeister wird.
Thomas Renggli
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