Cornelia Vonlanthen Schildknecht
weiss, worauf Jugendliche bei der Lehrstellensuche achten sollten.
Mauro Gilardi hat sich auf der Pro Golf Tour bis auf Rang vier vorgekämpft und steigt damit in die zweithöchste Stufe des europäischen Profigolfs auf. Der in Wattwil wohnhafte Golfprofi spricht über seinen Weg, die finanziellen Herausforderungen und seine Ziele auf der HotelPlanner Tour.
Mauro Gilardi, Sie spielen seit 2022 professionell Golf. Wann haben Sie gemerkt, dass Sie mit Golf Ihren Lebensunterhalt verdienen möchten?
Als Amateur kommt man irgendwann an einen Punkt, an dem man sich entscheiden muss: Mache ich so weiter oder wage ich den nächsten Schritt als Profi? 2022 lief es bei mir ziemlich gut und ich habe mich entschieden, den Schritt zu wagen. Ich habe mich organisatorisch und administrativ vom Verband gelöst. Seit dann bin ich grösstenteils auf mich selbst gestellt.
Das brachte sicherlich grosse Veränderungen mit sich.
Definitiv. Davor wurde alles vom Verband organisiert. Plötzlich alles selbst zu machen, ist dann schon etwas ganz anderes. Jetzt bin ich selbst für meine kompletten Reisen zuständig. Ich schaue deshalb, dass ich, wenn möglich, mit anderen Spielern in Airbnbs unterkomme, um Kosten zu sparen. Zusätzlich muss ich mich mit Finanzen und Versicherungen auseinandersetzen. Dabei spielen natürlich auch die Sponsoren eine grosse Rolle. Ich habe zum Glück eine Gönnervereinigung aus Einzelpersonen, einen weiteren Sponsor und das Militär, die mich unterstützen.
Beschreiben Sie Ihre Karriere deshalb als eine Art Unternehmen?
Genau. Es geht nicht nur um den Sport an sich. Man muss sich auch stets bewusst sein, welche Ausgaben man hat und wie das Budget aussieht. Seit ich nebenbei nicht mehr angestellt bin, muss ich mich auch mit der AHV und Vorsorgethemen auseinandersetzten. Gerade zu Beginn meiner Karriere war das nicht einfach, da ich mich vorher nicht gross damit beschäftigt hatte.
Aber es hat sich gelohnt: Sie haben die dritte Stufe, die Pro Golf Tour, in diesem Jahr auf Rang 4 beendet und dürfen die nächste Saison auf der höheren Stufe, der HotelPlanner Tour, spielen.
Ja, und darauf bin ich sehr stolz, denn ich habe drei Jahre darauf hingearbeitet. Der Aufstieg hat mir bestätigt, dass es sich lohnt, immer dranzubleiben. Und dass es wichtig ist, immer das Maximum herauszuholen, auch wenn es mal nicht so läuft. Denn am Ende kann ein Aufstieg von einzelnen Punkten abhängig sein.
Und was haben Sie sich für die nächste Saison vorgenommen?
Zuallererst möchte ich mich auf der neuen Tour zurechtfinden. Ich muss einen Rhythmus finden und merken, was zu viel ist und wie viele Pausen ich einplanen muss. Ich muss mich etablieren und dafür sorgen, dass ich auch die Saison darauf auf dieser Tour spielen kann. Über ein paar Top 10 Ergebnisse würde ich mich natürlich auch sehr freuen. Damit mir das gelingt, muss ich mich stetig weiterentwickeln und weitere Erfahrungen sammeln. Das Niveau ist da, sonst wäre ich nicht aufgestiegen – nun kommt es darauf an, was ich daraus mache.
Wie gehen Sie mit Rückschlägen um, wenn es mal nicht so läuft, wie geplant?
Dann versuche ich, den Druck herauszunehmen, in dem ich an einen anderen Ort gehe, statt auf den Golfplatz. Ich mache dann zum Beispiel eine andere Sportart oder gehe raus in die Natur. Das Toggenburg hat wunderschöne Jogging- oder Fahrradrouten.
Sie kommen ursprünglich aus dem Bündnerland. Wie gefällt es Ihnen in Wattwil?
Sehr gut. Ich bin im letzten November zusammen mit meiner Freundin hierhergezogen. Sie wohnte in Luzern und wir wollten uns irgendwo in der Mitte treffen. Unterdessen haben wir uns gut eingelebt. Wir sind beide keine Stadtmenschen und beruflich viel unter den Menschen. Zuhause bevorzugen wir deshalb die Ruhe und sind gerne unter uns.
Ihre Freundin ist Selina Witschonke, die als Curlerin ebenfalls Leistungssport betreibt. Motiviert Sie das zusätzlich?
Ja, wir spornen uns gegenseitig an. Oder motivieren uns, wenn es beim anderen gerade nicht so läuft. Da wir beide Sport betreiben, haben wir auch immer volles Verständnis füreinander, wenn jemand mal mehrere Wochen unterwegs und nicht zuhause ist. Das erspart uns sicherlich einige Diskussionen.
Und können Sie den Sport auch einmal komplett ausblenden?
Meistens geht es schon um den Sport. Auch wenn Selina und ich gemeinsam etwas unternehmen, hat es vielfach mit Sport zu tun. Trotzdem geniessen wir es auch ab und zu, nur auf dem Sofa zu sitzen und nichts zu tun. Ich frage mich manchmal, was die Nachbarn denken, wenn ich an einem Dienstagvormittag auf der Terrasse sitze und meinen Kaffee trinke. Dass ich dann dafür das ganze Wochenende im Einsatz bin, wissen sie ja nicht.
Zum Schluss: Was sind Ihre Ziele für die nächsten fünf Jahre?
In den nächsten zwei bis drei Jahren möchte ich in die DP World Tour aufsteigen, in die höchste Stufe. Ein weiterer Meilenstein und Kindheitstraum wären die Olympischen Spiele, auch wenn eine Qualifikation für 2028 wahrscheinlich ein bisschen knapp wird. Insgesamt möchte ich einfach weiterhin vorwärtskommen und mein Bestes geben. Ausserdem möchte ich auch neben dem Sport etwas aufbauen, um ein zweites Standbein zu haben. Da ich gelernter Informatiker bin und mich in diesem Bereich auskenne, wäre eine Mischung aus IT und Sport sicherlich spannend. Solange es vorwärts geht, steht aber ganz klar das Golf im Vordergrund.
Shannon Senn
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