Miss Helvetia
tritt am 16. Oktober mit ihrem neuen Album im Dömli in Ebnat-Kappel auf.
Das Haus von Dieter Birnbacher an der Bitzistrasse in Brunnadern zieht die Blicke auf sich: Im Sommer ist die Wand dicht mit grünem wildem Wein bedeckt, im Herbst leuchtet sie in kräftigen Rottönen. Doch die auffällige Fassade sieht nicht nur schön aus: Sie bietet Lebensraum für Insekten, spendet Schatten und zeigt, welchen Wert Pflanzen direkt vor der eigenen Haustür haben können.
Brunnadern Besonders während der Blütezeit wird die Hauswand zum kleinen Naturparadies. Zahlreiche Bienen besuchen dann die Blüten des wilden Weins, um Nektar zu sammeln. «Das Summen der Bienen ist dann deutlich zu hören», erzählt Birnbacher. In diesem Jahr blühten die Pflanzen aufgrund der hohen Temperaturen sogar deutlich früher als sonst. Auch für das Klima rund um das Haus hat die Begrünung einen Nutzen. Die Blätter des wilden Weins bilden im Sommer eine dichte Schicht vor der Hauswand und fangen einen Teil der Sonneneinstrahlung ab. Dadurch heizt sich die Fassade weniger stark auf. «Im Inneren des Hauses blieb es angenehm kühl», sagt Birnbacher. Unterstützt wird der natürliche Sonnenschutz durch einen grossen Haselnussbaum direkt vor dem Haus.
Natur auf kleinstem Raum
Gleichzeitig betreiben die Pflanzen Photosynthese: Sie nehmen Kohlendioxid auf und geben Sauerstoff ab. Wie viel dabei entsteht, hängt unter anderem von der Blattfläche, der Sonneneinstrahlung, der Temperatur und der Wasserversorgung ab. Für Birnbacher ist genau dieser Zusammenhang besonders faszinierend. Seit Jahren beschäftigt ihn die Frage, welche ökologischen Leistungen seine begrünte Hauswand tatsächlich erbringt. Die Begeisterung für die Natur beschränkt sich dabei nicht auf den wilden Wein. Wo sich früher ein Wasserbiotop mit Goldfischen und Seerosen befand, gibt es heute eine farbenfrohe Anlage mit Blumen und verschiedenen Pflanzen. Birnbacher hat sie gemeinsam mit seiner Tochter gestaltet. Spaziergänger, Nachbarn und Menschen, die mit ihren Hunden unterwegs sind, bleiben immer wieder stehen und sprechen die beiden auf das kleine Biotop an. Die Fassade und der zeigen Birnbacher, wie sich auch auf kleinem Raum etwas für die Natur tun lässt. Er wünscht sich, dass auch Kinder und Schulklassen von diesem Ort profitieren könnten: «Sie könnten hier viel entdecken: Pflanzenwachstum, Insekten, Blüten, Sauerstoffproduktion und vieles mehr.»
Ein persönlicher Hintergrund
Die Geschichte hinter dem Haus ist für Birnbacher allerdings ebenso wichtig wie das Biotop selbst. 1999 zog er mit seiner Familie nach Brunnadern. Zuvor hatte er einige schwere Jahre erlebt. Seine Frau Roswitha erkrankte kurz nach der Geburt der gemeinsamen Tochter schwer und starb kurz darauf. Auch der Vater der beiden Buben aus ihrer ersten Ehe kam bei einem Verkehrsunfall ums Leben. So kam es, dass Birnbacher plötzlich für drei Kinder verantwortlich war. Trotz der schwierigen finanziellen und familiären Situation wollte er seinen Kindern ein stabiles Zuhause und eine gute Zukunft ermöglichen. In Brunnadern fand die Familie schliesslich ein neues Zuhause. Seine Tochter entwickelte später eine besondere Begeisterung für Pflanzen und war auch die Initiantin der Fassadenbegrünung mit wildem Wein. Heute blickt Birnbacher mit Dankbarkeit auf die vergangenen Jahre zurück. «Es geht uns gut, es geht uns sehr gut», sagt er.
shs
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