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Der Ricken kriegt keinen Tunnel: Die St. Galler Regierung bremst das Umfahrungsprojekt aus und ignoriert den Willen der Bevölkerung. Doch in der Regionalpolitik formiert sich bereits Widerstand – Kantonsrat Ruben Schuler stellt klar: Aufgegeben wird noch lange nicht.
Region 360 Millionen Franken investiert der Kanton St.Gallen in eine Umfahrung für St.Gallenkappel und Betzikon, um täglich 13'000 Autos aus den Dörfern in einen Tunnel zu verbannen. Auf dem Ricken hingegen setzt der Kanton anstelle einer Umfahrung auf ein kleineres Betriebs- und Gestaltungskonzept (BGK). Geplant sind begrünte Mittelinseln, ein Kreisel sowie durchgängige Fuss- und Velowege. Dagegen regt sich jedoch politischer Widerstand aus dem Toggenburg. FDP-Kantonsrat Ruben Schuler reichte Ende Juni einen Vorstoss ein. Unter dem Titel «Ricken: Keine Umfahrung ist keine Lösung» fordert er die St. Galler Regierung auf, den Entscheid noch einmal zu überdenken.
Antwort der Regierung liegt vor
Die St.Galler Regierung hat in ihrer Antwort betont, dass es immer erstes Ziel gewesen sei, die Verkehrssicherheit entlang der Rickenstrasse zu verbessern, und das könne mit den vorgesehenen Massnahmen erreicht werden. Zudem führe das angedachte Betriebs- und Gestaltungskonzept «zu keiner Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit» des Knotens in Ricken, an dem der Verkehr aus den Richtungen Wattwil, Eschenbach und Gommiswald zusammentrifft. Mit dem geplanten Kreisel werde der Verkehrspunkt sogar leistungsfähiger. Da widerspricht Schuler: «Es handelt sich beim BGK um flankierende Massnahmen, die vor allem der Verkehrsberuhigung dienen.» Die Verkehrsbelastung bleibe dieselbe, nur fliesst der Verkehr langsamer. «Dass das wenig Nutzen hat, anerkennt auch die Regierung, indem sie festhält, dass sich die Aufenthaltsqualität, die Lärmbelastung und das Sicherheitsgefühl mit dem BGK nicht verbessern», so der FDP-Politiker. Die Regierung behält sich eine weitere Prüfung einer Umfahrung vor, wie sie schreibt. Und zwar dann, wenn der Verkehr in Ricken «langfristig» so stark zunehme, «dass die Leistungsfähigkeit der Kantonsstrasse und die Verkehrssicherheit beeinträchtigt werden». Die Pläne befänden sich derzeit im Stadium des Konzepts. Ruben Schuler zeigt sich diesbezüglich skeptisch und fordert jetzt «politischen Druck für eine Umfahrungslösung.
Breitere Strasse, mehr Unfälle
Neben der Umfahrung fragte Schuler die Regierung an: Warum die
Auffahrt zum Pass vom Toggenburg her, also die Strecke zwischen Wattwil und Ricken, auf diesem
Abschnitt nicht auf neun Meter verbreitert wird. Eine Sicherheitsinspektion habe gezeigt, dass vor
allem in Kurven Defizite bestünden, schreibt die Regierung. Gemäss den kantonalen Richtlinien
für Kantonsstrassen ausserorts ist für die Begegnung zweier Lastwagen eine Fahrbahnbreite von 6,8 bis
7,4 Meter erforderlich. An den prekären Stellen soll die Rickenstrasse deshalb normgerecht verbreitert werden, auf geraden Streckenabschnitten hingegen nicht. Auf breiteren Strassen werde schneller
gefahren, was zu mehr und schwereren Unfällen führe, fasst die St.Galler Regierung zusammen. «Es spricht Bände, dass die Regierung ohne
jeglichen Beleg davon spricht, dass «erfahrungsgemäss» das Unfallrisiko mit breiteren Strassen steige»,
so Ruben Schuler. Das Gegenteil
sei der Fall, reduzieren doch breitere Strassen das Risiko beim Kreuzen. Wer fachkundige Strassenbauer frage oder dazu recherchiere,
werde schnell feststellen, dass die
Aussage der Regierung aus der Luft gegriffen ist. «Das ist auch logisch, denn sonst müsste im Umkehrschluss der Grundsatz 'je schmaler die Strasse, desto tiefer das Unfallrisiko' gelten, was nicht richtig sein kann», meint der Politiker aus Mosnang.
Mehr Sicherheit für Fussgänger
Ein weiterer Punkt in Schulers
Vorstoss betraf den geplanten Fuss- und Veloweg zwischen Wattwil und Ricken. Dieser widerspreche dem nationalen Veloweggesetz, wonach Fahrradwege getrennt von Strassen geführt werden müssen. Besonders in den steilen Passagen sieht Ruben Schuler Unfallgefahr. Das Gesetz erlaube, im Einzelfall anders zu planen, antwortet die Regierung. Bisher gebe es keine Wege für Fussgängerinnen und Fussgänger. Diese Lücke soll der zwei Meter breite Weg schliessen. Und darauf werde auch das Velo zugelassen. Weil es auf der Schönenbergstrasse bereits eine ausgeschilderte Veloroute von Wattwil nach Ricken gibt, rechnet die Regierung nicht mit allzu vielen Velos auf dem neuen Weg. Wieso der Kanton St.Gallen hier einen anderen Weg gehen – oder fahren – will, erschliesst sich dem FDP-Kantonsrat nicht. Die rechtlichen Ausführungen in der Regierungsantwort dazu seien ziemlich abenteuerlich. Bei den geplanten Massnahmen sei das letzte Wort noch nicht gesprochen, so Ruben Schuler. Die Regierung müsse das im Rahmen eines Strassenprogramms zuerst durch den Kantonsrat bringen.
pd/hem
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