Lars Forster
aus Rieden hat die erste Schweizer Meisterschaft im Gravel gewonnen.
Lars Forster aus Rieden hat in Bern Geschichte geschrieben: Am Gravel Festival gewann der Mountainbiker am 17. Oktober die erste Schweizer Meisterschaft im Gravel. Bei dieser wird auf unterschiedlichsten Untergründen gefahren – vor allem auf Schotter- und Naturstrassen. Forster spricht darüber, wie er trotz eines Sturzes den Sieg holte, weshalb ihm die Disziplin liegt und warum er für die kommende Saison noch ein Team sucht.
Lars Forster, Sie sind der erste Schweizer Meister im Gravel. Was bedeutet es Ihnen, diesen Titel gewonnen zu haben?
Sehr viel. Schon allein, an einem so coolen Event wie dem Gravel Festival Bern als Sieger herauszugehen, ist ein tolles Gefühl. Zusätzlich freut es mich natürlich, dass Gravel in den letzten Jahren immer bekannter geworden ist.
Davor war die Sportart in der Schweiz hauptsächlich eine Disziplin für Hobbyfahrer.
Genau, die offiziellen Gravel-Rennen sind in der Schweiz erst am Aufkommen. Bisher gab es auch keine Schweizer Meisterschaften, die Austragung am Gravel Festival Bern war eine Premiere. Umso mehr freut es mich, dass die Sportart an einem so grossen Anlass mit etwa 800 Teilnehmern miteinbezogen wird, denn ansonsten gelten die
Gravel-Rennen hier noch als unbekannt.
Beim Rennen mussten Sie rund 60 Kilometer und 1000 Höhenmeter bewältigen. Wie gut liegen Ihnen solche Strecken?
Ehrlich gesagt, sehr gut. Die Dauer war fast gleich lange wie ein XCO Rennen. Von mir aus hätten es sogar noch ein paar Kilometer mehr sein dürfen, denn ich bin mir von anderen Rennen auch noch längere Strecken gewöhnt.
Dann waren Sie optimistisch, dass ein Sieg möglich ist?
Ja, ich habe schon im Vornherein an mich geglaubt. Beim Rennen selbst sah es jedoch ein wenig anders aus: Nach gut sieben Kilometern bin ich gestürzt, weil mich ein stürzender Fahrer mitriss. Da dachte ich, jetzt ist es vorbei. Zum Glück gelang es mir rasch wieder einen Rhythmus zu finden und konnte somit wieder in die Spitzengruppe aufschliessen. Nach der letzten Kuppe waren wir vorne nur noch zu dritt. Die beiden anderen Scott-Sram Teamkollegen versuchten immer wieder zu attackieren, doch ich konnte immer folgen. Das Vertrauen in mich selbst blieb bis ans Ende des Rennes, sodass ich den Sprint für mich entscheiden konnte.
Inwiefern unterscheidet sich die Gravel-Disziplin von den Mountainbike-Rennen?
Es gibt klare Unterschiede. Erstens ist es natürlich ein komplett anderes Velo. Zweitens können die Strecken nicht gleich gut rekognosziert werden. Bei einem XCO Rennen können die Runden, die meist eine Distanz von drei bis fünf Kilometer haben, mehrmals und genaustens analysiert werden. Die Gravel-Rennen bestehen meist aus einer grossen Runde. Drittens spielt bei Gravel-Rennen das Fahren in der Gruppe eine wichtige Rolle. Insbesondere auf flachen Abschnitten, wenn wir über 40 Kilometer pro Stunde fahren, ist Windschatten und das taktische Handling wichtig. Sprich, wenn ich hinter einem anderen Fahrer herfahre, habe ich weniger Windwiderstand und kann so meine Kräfte sparen. In den formierten Gruppen kann das Tempo auch mal zusammenbrechen. Somit rollt man einfach mit, bis sich einer entscheidet, anzugreifen und wieder Gas zu geben. Das ist beispielsweise eine Taktik, um Kräfte einzuteilen.
Und können Sie sich vorstellen, künftig mehr Gravel-Rennen zu bestreiten? Beispielsweise 2029, wenn die ersten Weltmeisterschaften in der Schweiz stattfinden?
Ja, die Heim-WM ist sicherlich ein Ziel. Das ist ein cooles Projekt, bei dem ich gerne in Bestform dabei
wäre. Würden weitere Rennen stattfinden, nehme ich auch dort sehr gerne teil. Aktuell bin ich auf der Suche nach einem Gravel-Team, da ich für die nächste Saison noch kein neues Team ausfindig machen konnte.
Sie fahren nach dieser Saison nicht mehr im Team Thömus maxon?
Nein, da ich keinen neuen Vertrag erhalten habe. Die Absage wurde spät kommuniziert, deshalb waren die meisten XCO-Teams für die nächste Saison bereits voll ausgelastet. Nun hoffe ich sehr, dass ich in einem Gravel Team einen neuen Vertrag abschliessen kann. Zur Zeit steht noch in den Sternen, wie mein Zukunftsweg aussieht.
Was motiviert Sie, mit dem Radsport weiterzumachen?
Velofahren ist meine Leidenschaft und steht an erster Stelle. Schlechtwettertage sind kein Motivationshindernis. Klar gibt es mal schlechtere Tage, wo die Motivation nicht ganz so gross ist – aber wo gibt es die nicht? Schlussendlich ist meine Freude am Velofahren einfach unglaublich gross.
Welche Erfolge bedeuten Ihnen besonders viel?
Insbesondere die beiden Weltcup-Siege 2019 und 2023.
Sie wohnen in Rieden. Trainieren Sie da besonders gerne?
Auf jeden Fall. Ich trainiere am liebsten zuhause. Auch im Winter bin ich lieber hier als im Trainingslager an wärmeren Orten. Wir haben hier topographisch bedingt die besten Voraussetzungen, um mit allen Velos Spass zu haben und schöne Touren zu machen. Gerade beim Gravelrad fahre ich am liebsten in unserer Region. Steht der Winter vor der Türe, greife ich mit viel Freude nach meinen Skitourenskis und geniesse die Trainingsabwechslung.
Und haben Sie einen Trick, um nach einem schlechten Training den Kopf wieder freizubekommen?
Den brauche ich meistens gar nicht. Ich kann sehr gut und schnell abhaken und etwas abschliessen. Es bringt nichts, ständig über etwas nachzudenken. Und wenn es mal nicht so gut läuft, versuche ich, aus meinen Fehlern zu lernen und beim nächsten Rennen wieder voll anzugreifen. Deshalb muss ich sowohl physisch als auch psychisch schnell fit sein. Zeit mit der Familie und den Freunden zu verbringen, ist dafür sehr wichtig.
Zum Schluss: Welche Zukunftspläne haben Sie? Und machen Sie sich bereits Gedanken darüber, was nach der Sportkarriere kommt?
Ein Traum wäre bestimmt ein WM-Trikot, auch beim Gravel. Sollte das nicht klappen, wäre es aber auch kein Weltuntergang. Für die Zeit nach meinem Karriereende bin ich jetzt langsam am Planen, aber das ist noch nicht spruchreif. Im Moment möchte ich einfach noch das Velofahren geniessen und hoffe, bald ein Team für die nächste Saison zu finden.
Shannon Senn
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