Lars Forster
aus Rieden hat die erste Schweizer Meisterschaft im Gravel gewonnen.
Seit 2010 lebt Michael Kobler mit seinen Hunden in Starkenbach. Er ist Gründer und Geschäftsführer von Huskystuff, und bietet Aktivitäten mit Huskys an – besonders beliebt sind die Schlittenfahrten, doch auch das Sommertraining lohnt sich.
Starkenbach Schon beim Einbiegen in den Hof fällt der Blick auf das grosse Gehege mit den vielen Hunden. Sobald die Autotür geöffnet wird, ertönt freudiges Heulen – nach der ersten Aufregung ist aber sofort wieder Ruhe und man hört von den Tieren nichts mehr. Michael Kobler und seine Mitarbeiterin Lena Breuer heissen die Gäste willkommen. Bevor es losgeht, erklärtLena die Grundlagen des Wagenlenkens: «Richtig bremsen ist sehr wichtig. Vor allem zu Beginn strotzen unsere Tiere vor Energie und legen sofort los.»
Und tatsächlich, bereits beim Betreten des Geheges wird die Aufregung der Huskys spürbar. Nachdem Michael und Lena die einzelnen Zwinger geöffnet haben und das Signal zum Herauskommen geben, schnappen sich die Hunde zuerst die ausgestreuten Leckerlis. «So sind sie abgelenkt und die Teilnehmenden können sie zuerst aus der Ferne betrachten», erklärt Lena. Sind die kleinen Happen verputzt, kommen die Vierbeiner von selbst auf die Besucher zu – manche neugierig und stürmisch, andere vorsichtig und zurückhaltend. Während sich Mensch und Hund beschnuppern, erzählt Michael von den Besonderheiten der Rasse: Huskys seien ausdauernd, zäh und hätten buchstäblich dicke Schädel. «Ich staune immer wieder, wie hart sie arbeiten und wie gut einzelne Hunde Strapazen bei der Zugarbeit wegstecken», sagt er. Der Grund sei einfach: Sie wollen unbedingt mit dem Rudel raus. «Dürfen sie einen Wagen oder Schlitten ziehen, bedeutet das für sie pure Erfüllung – dafür nehmen sie sogar Beschwerden in Kauf.» Ob blind, mit Arthrose oder nur drei Beinen – jeder Hund bei Huskystuff brennt dafür, eingespannt zu werden.
Dieser Einsatzwille macht sich bemerkbar, als Lena und Michael gemeinsam mit den Gästen beginnen, den Hunden ihre «Gstältli» anzuziehen und sie vor den Wagen zu spannen. Die Huskys springen aufgeregt umher, bellen, heulen und zittern vor Vorfreude am ganzenKörper – die Stimmung ist kaum in Worte zu fassen. Trotz der Hektik bleiben Michael und Lena ruhig, was sich direkt auf die Gäste überträgt.
Sind alle Hunde eingespannt – drei Teams mit je zehn Tieren –, beginnt die Tour. Bei Traumwetter und Sonnenschein geht es zuerst über eine Wiese, alle drei Gespanne hintereinander. Sobald die Huskys rennen dürfen, verstummt das Bellen schlagartig und sie ziehen motiviert den Wagen. Wenn aber das vorderste Gespann kurz anhalten und auf die hinteren warten muss, werden sie sofort wieder ungeduldig. «Sie wollen, dass es weitergeht», erklärt Michael schmunzelnd. Erst im Wald, nach einem längeren Anstieg, lässt die erste Energie etwas nach.
Während der Fahrt behalten Lena und Michael stets im Blick, wie es den Menschen und Tieren geht. «Mit Gästen bin ich immer im Arbeitsmodus», erzählt Michael. «Ich achte darauf, dass sie sich wohlfühlen und passe allenfalls das Tempo an.» Gleichzeitig habe er auch immer ein Auge auf die Hunde in den anderen Gespannen. Welche Route gefahren wird, entscheidet er spontan – je nachdem, wie viel mit den Teilnehmenden möglich ist. «Das macht jede Tour individuell und einzigartig», sagt Michael. Besonders schön seien Momente, in denen Menschen über sich hinauswachsen. «Wenn jemand zuerst zurückhaltend ist oder sogar Angst hat und am Ende entspannt mitten im Rudel steht, ist das überwältigend.» Persönlich abschalten könne er nur, wenn er privat unterwegs ist. «Auch wenn es für mich zum Alltag gehört, versuche ich immer wieder, mein Glück bewusst wahrzunehmen.»
An einem kleinen Bächli dürfen die Hunde bei einer kleinen Pause trinken und Energie tanken – manche legen sich zur Abkühlung komplett ins Wasser. «Wenn es nach ihnen ginge, dürfte es noch viel kälter sein», erzählt Michael, obwohl es nur plus 10 Grad hat und die Gäste dick in Jacke, Handschuhe und Mütze eingepackt sind. Ab 20 Grad finden deshalb keine Wagenfahrten mehr statt. «Im Sommer bieten wir stattdessen Huskytrekking oder eine Stunde Husky-Streicheln an.» Vor allem die Klassenlager gehören dann zu den Highlights. Diese Angebote seien gut gebucht, doch am beliebtesten bleiben klar die Schlittenfahrten im Winter. «Vielen Gästen ist gar nicht bewusst, dass das Sommertraining genauso wichtig ist und die Hunde auch dann Bewegung brauchen.» Nach etwa einer halben Stunde Fahrt wird gewendet. «Wir haben hier viele Sackgassen und keine langen Rundwege», erklärt Michael. «Das ist das Einzige, was ich im Toggenburg manchmal vermisse.» Doch er weiss sich zu helfen: Auf einer Wiese, direkt an einem Abhang, wendet er gekonnt sein Gespann und unterstützt anschliessend die anderen Teams. Dann wird die gleiche Strecke zurückgefahren. Zurück im Gehege nimmt er sich die Zeit, sich bei jedem Hund einzeln zu bedanken, mit liebevollen Worten und Streicheleinheiten.
Danach werden die Tiere ausgespannt und aus ihren «Gstältli» befreit. Was dann passiert, zeigt eindrucksvoll, wie gut die Vierbeiner erzogen sind: Michael stellt sich in die Mitte des Geheges und hebt einen Finger in die Luft – und sofort laufen alle selbstständig in ihre Zwinger. Die Türen sind offen, aber alle bleiben drinnen. «Sie wissen ganz genau, was sie dürfen und was nicht», sagt Michael. Bei aktuell 36 Hunden seien solche Regeln unerlässlich. Insgesamt sei es ein friedliches Rudel. «Viele kennen es gar nicht anders und werden in so grosse Gruppen hineingeboren.» Trotzdem komme es manchmal zu Reibereien und sein Hauptjob im Zwinger bestehe aus deeskalieren. Hunde, welche sich nicht richtig verhalten, werden zurechtgewiesen. «Aber wir separieren sie nie, auch wenn es mal Streit gibt», betont Michael. «Sie sollen zusammen klarkommen und harmonieren, da wäre eine Trennung der falsche Ansatz.»
Diese Konsequenz zeigt sich auch beim anschliessenden Füttern. Wieder dürfen die Teilnehmenden mithelfen. Lena übergibt die Futterschüsseln. Mit dem Geschirr in der Hand stellt man sich in die Mitte des Geheges und ruft den jeweiligen Namen – und genau dieser Hund kommt sofort angerannt, während die anderen brav im Zwinger warten. Sein Futter bekommt er erst, wenn er sitzt. Beginnen zu fressen darf er, sobald seine Schüssel mit dem Fuss zu ihm hingeschoben wird. Nachdem die Vierbeiner versorgt sind, wird sich bei Kaffee und Kuchen um das menschliche Wohl gekümmert. Es wird über die Tour und die Hunde geplaudert und Fragen werden beantwortet. Mit Einbruch der Dunkelheit verabschiedet sich die Besuchergruppe. Für Michael Kobler steigt in diesem Moment bereits die Vorfreude auf den nächsten Tag. «Die Arbeit mit den Huskys erfüllt mich», schwärmt er. «Ich habe unglaublich viel von ihnen gelernt.» Sein wichtigster Leitsatz: «Suche den Fehler nie beim Hund, sondern bei dir. Du kannst nur dich verändern – nicht den Hund.»
⋌shs
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