Roger Eberhard
freut sich als Präsident auf die Fasnacht Kaltbrunn.
Authentisch, ehrlich und voller Gefühl: Ritschi setzt auf echte Musik, die mitten ins Herz trifft. zVg
Nach einer Tour mit seiner früheren Band Plüsch begab sich Ritschi wieder als Solokünstler ins Studio. Die entstandenen «Lieblingslieder» nimmt er mit auf die gleichnamige Tour. Sein Credo: Die Band soll auf der Bühne nicht komplett perfekt sein. Nach zweimonatiger Pause tritt Ritschi am 31. Januar mit seiner Band im Dömli in Ebnat-Kappel auf. Auf seiner neuen CD «Lieblingslieder» hat der Berner nebst vier neuen Songs sechs ältere neu aufgenommen. Die Band hat das Album in einer Art und Weise aufgenommen, wie man es im Business heute weniger oft hört.
Hallo Ritschi. Ende Januar trittst du im Dömli auf. Das ist dein erstes Mal in diesem Konzertlokal, oder?
Ja, ich habe noch nie dort gespielt. Ich habe aber schon viele Föteli und Social-Media-Beiträge von Kollegen gesehen, die dort gespielt haben. Also dachte ich: Das fehlt mir noch. Wir hatten bereits im 2025 das eine oder andere Konzertlokal im Programm, in dem ich noch nie gespielt habe. Das sind genau so Sachen, die es spannend machen für uns. Jetzt freuen wir uns extrem auf den Auftritt im Dömli.
Welche Erwartungen habt ihr an die Location?
Wir haben die Erwartung, dass die Leute kommen [lacht]. Da wir dort noch nie gespielt haben, können wir nicht auf eine Community hoffen, die uns dort schon mal gesehen hat, und sind etwas darauf angewiesen, dass das Publikum gespannt ist auf uns und uns sehen möchte.
Und was darf das Publikum erwarten?
Wir haben eine wahnsinnig geile Band am Start. Klar, das sagt jeder Künstler über seine Band, aber ich habe, denke ich, noch nie so gut getönt mit einer Band wie mit diesen Jungs auf dieser Tour. Wir sind rockig, rough und alles groovt unglaublich. Das macht extrem Spass und das hört, sieht und spürt das Publikum.
Du hast kürzlich ein neues Album rausgebracht.
Genau, im September 2025 haben wir «Lieblingslieder» herausgebracht. Ich mache seit 23 Jahren Musik. Dabei sind ganz viele Songs entstanden, die einzelnen Leuten zwar wichtig sind, die aber nicht zu Hits wurden oder den Weg zu den Massen nicht gefunden haben. Genau diese Songs haben wir jetzt ausgepackt und diesen vergessenen Perlen noch einmal Raum gegeben. Das sind nicht einfach nur irgendwelche B-Seiten.
Auch das Aufnahmeverfahren des Albums war speziell.
Man hat heute im Studio die Möglichkeit, eine quasi perfekte Aufnahme zu machen. Man kann an jedem Detail so lange basteln, bis jeder Fehler ausgemerzt ist. Ich habe jedoch gelernt, dass genau diese kleinen Fehler Leben in die Musik bringen. Je sauberer und geschliffener eine Aufnahme ist, desto mehr geht auch das Leben darin verloren. Musik darf nicht perfekt sein, deshalb finde ich auch KI-Musik so schrecklich. Zwar knallen KI-Lieder vom ersten Ton weg und leider ist vieles dabei schon sehr perfekt gemacht, aber meist hat man sie nach ein paarmal hören bereits satt. Sie tragen sich selbst nicht über 20, 25 Jahre. Deshalb wollte ich mit meinem Album das pure Gegenteil erreichen.
Und wie habt ihr das umgesetzt?
Wir haben das Album innert vier Tagen live eingespielt. Roh, ohne Schnikschnak. Alle Musiker gleichzeitig in einem Raum und danach direkt in den Mix. Kein Basteln, kein Flicken. Wir liessen alles stehen, auch kleine Imperfektionen. Das gilt auch für den Leadgesang: Den haben wir nicht nachträglich nochmals nachgesungen, wie es gang und gäbe ist. Das habe ich noch nie so gemacht. So haben wir alle Vollgas gegeben und jeder hat sich vom anderen inspirieren lassen. Das macht etwas mit einem und gibt eine spezielle Energie. Das ist die Seele, die man mit der Maschine nicht reinbringt.
Fast wie nach einem Konzert.
Ja. Ich habe in der Vergangenheit nichts so oft gehört wie: 'Das kann man als Kritik an der Platte sehen, oder als Kompliment für die Live-Auftritte'. Wir dachten, es sei mal an der Zeit, mit dieser geilen Band genau das auf Platte zu bringen. Da ist natürlich auch ein gewisses Risiko dabei, dass die Hörer der Platte nicht genau das gleiche Hörerlebnis haben wie bei den tausenden von anderen Künstlern. Vielleicht werden sie es nicht perfekt finden für die heutige Zeit. Aber genau darum dachten wir, dass wir eine Live-Platte im Studio machen wollen. Und so tönt es auch.
Das hört sich tatsächlich sehr ungewöhnlich an.
Ich finde einfach, dass man sich im Zeitalter von KI-Musik unterscheiden muss. Und wie kann man sich unterscheiden? Indem man live ins Studio geht und jeder seine Seele auf den Tisch legt. Das hört man und ist vielleicht auch entgegen dem, was man sich gewohnt ist. Darum muss man sich wohl effektiv etwas daran gewöhnen und das Album zwei- oder dreimal anhören, bevor es einen reinzieht. Diese Energie macht etwas mit den Leuten.
Wie wirkt sich das auf die Konzerte aus?
Die Musiker haben sich im Studio selbst eingebracht und wir haben das zusammen erarbeitet. Das ist eine mega geile Energie, die wir nun an die Konzerte mitnehmen. Das spüren die Leute und mir macht es extrem Freude, das zu sehen. Nach den ersten Konzerten der aktuellen Tour habe ich von vielen Fans die Rückmeldung erhalten, dass das Konzert nachhallt und sie gerade nur meine Musik hören. Das hatte ich seit Jahren nicht mehr, muss ich ehrlich sagen.
Und wie stellt ihr sicher, dass die Konzerte nicht wie die Platte tönen, weil sie ja gleich aufgenommen wurden?
Das Ziel war es, ein Album aufzunehmen das tönt wie das, was wir live machen. Wenn die Leute nun kommen und sagen, wir tönen wie auf dem Album, ist das ein Kompliment an die Platte. Live holen wir die Leute noch mal anders ab. Wir bekommen noch die Energie des Publikums dazu und können darauf reagieren. Das ergibt eine Wechselwirkung und macht die Konzerte unvergesslich für beide Seiten.
Das ist sicher einfacher mit bekannten Songs, oder?
Ich war vor einem Jahr auf Plüsch-Tournee. Dort hatten wir das jeden Abend, dass wir Hits gespielt haben, die das Publikum natürlich abgefeiert hat. Wir mussten nicht um die Gunst des Publikums kämpfen, es hat einfach funktioniert. Doch genau dieses «nicht wissen was passiert» macht ein Konzert für mich spannend. Es ist leicht, die Leute mit Hits zu begeistern. Wenn es jedoch gelingt, mit neuen Songs das Publikum zu berühren und zu begeistern, dann gibt das ein wahnsinnig gutes Gefühl. Natürlich spielen wir an den Konzerten auch die bekannten Lieder, teilweise auch von meiner früheren Band. So kommt jeder in den zwei Stunden auf seine Kosten. Und doch kann man neue Songs entdecken.
Das hört sich nach viel Energie im Raum an.
Ich glaube ganz fest daran, dass fünf Profimusiker, die wissen was sie machen und Spass haben auf der Bühne, viel mehr Energie auf das Publikum überschwappen lassen, als wenn fünf Musiker versuchen, perfekt zu sein auf der Bühne. Das ist wie eine Ebene mehr, die man eben nur Live erleben kann, und das hallt dann eben nach.
Wie hat die Plüsch-Tour sonst noch Einfluss genommen auf die aktuellen Konzerte?
Ich empfinde sehr viel Dankbarkeit für alles, was ich als Musiker erleben durfte und darf. Ich muss nichts mehr beweisen. Die Leute wissen, was ich kann und wer ich bin. Das hat viel Druck von mir genommen. Ich kann viel befreiter auf der Bühne stehen und Spass haben. Schon geil, was ich hier habe und dass ich das nach so vielen Jahren immer noch machen darf. Es geht nicht um mehr Likes oder Reichweite, sondern um pure Musik und darum, die Leute damit zu berühren.
Zwischen dem letzten Konzert Anfang Dezember und dem Konzert im Dömli liegen fast zwei Monate. Wie haltet ihr diese Energie aufrecht?
Das ist fast einfacher, als wenn wir dazwischen viele Gigs spielen würde. Wir werden alle einfach Freude haben, dass wir wieder zusammen Musik machen dürfen. Ich freue mich darauf, die Jungs wieder zu sehen. Und wir freuen uns auf die Location, wo wir wie gesagt noch nie gespielt haben.
Sind denn im 2026 noch weitere Konzerte geplant?
In Bezug auf Clubkonzerte sind nur drei geplant (Dömli in Ebnat-Kappel, Mühle Hunziken in Rupigen, und im Hotel Wetterhorn in Hasliberg, Anm. d. Red.). Zudem sind wir Ende April mit einem grossen Orchester am Melodyfestival in Aarau. Im Sommer wollen wir noch das eine oder andere Festival spielen, aber diese Termine stehen noch nicht fest. Wer uns also noch in einem Club sehen möchte, hat nur noch die drei Daten. Im März kommt dann eine neue Single, die wir übrigens jetzt schon live spielen. Im Herbst 2026 ist dann auch noch etwas geplant, wo ich aber noch nicht mehr verraten darf.
Ist die neue Single auf dem Album?
Nein, die wird dann noch hinzugefügt. Sie hat den Platz auf dem Album nicht gefunden, ist dann aber beim Publikum extrem gut angekommen. Elektronisch fügen wir den Song einfach hinzu. Wer sich eine CD gekauft hat, hat automatisch Zugang zum Backstage-Bereich der Webseite erhalten, wo er oder sie den Song bereits einen Monat vor Spotify und weiteren Streaming-Plattformen hören kann. So belohnen wir die Leute, die unsere Musik nicht nur hören, sondern auch kaufen.
Alex Schüpbach
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